Windvorhersage: warum das Wetter am Schlag danebenliegt
Die Vorhersage meldet einen „akzeptablen“ Wind, und trotzdem weht es auf Ihrem Schlag zu stark? Das ist normal: Die Modelle liefern einen mittleren Zellenwind, der Böen und lokales Mikroklima ausblendet.

Sie schauen auf das Wetter, der angekündigte Wind liegt unter der Grenze, und trotzdem weht es auf dem Schlag zu stark. Diese Abweichung ist kein Fehler der Wettervorhersage: Sie ist eine strukturelle Grenze der Vorhersagemodelle. Dieser Artikel, ein Satellit unseres Leitfadens zu Wind und Pflanzenschutz, erklärt, warum.
Ein mittlerer Wind, nicht der reale Wind
Ein Wettermodell zerlegt die Atmosphäre in Gitterzellen und berechnet einen Wert je Zelle und Zeitschritt (oft eine Stunde). Die gelieferte Windgeschwindigkeit ist also ein Mittelwert, räumlich (die ganze Zelle) und zeitlich (die Stunde). Konstruktionsbedingt glättet sie alles, was sich im Inneren abspielt.
Die Auflösung der Modelle
Das globale Modell GFS (NOAA) hat eine Maschenweite von rund 13 km (oft in einem 0,25°-Gitter verbreitet, also ~28 km). Das europäische Modell des ECMWF geht bis auf ~9 km herunter, ARPEGE (Météo-France) auf 5 km über Frankreich, und das feine Modell AROME auf 1,3 km. Selbst das feinste liegt weit über der Größe eines Schlags: Eine Zelle von 1,3 km umfasst bereits Dutzende Schläge mit unterschiedlicher Exposition.
Das Problem der Böen
Eine Böe ist per Definition eine sehr kurze Spitze (wenige Sekunden), während der mittlere Wind über 10 Minuten berechnet wird. Das Verhältnis von Böe zu mittlerem Wind übersteigt häufig 1,5 und kann bei instabilen Bedingungen 2 erreichen. Ein vorhergesagter mittlerer Wind von 12 km/h kann also Böen von 25–30 km/h verbergen, weit über der gesetzlichen Grenze. Der Mittelwert „löscht“ genau die Spitze, die das Problem verursacht.
Das Mikroklima des Schlags
Häufige Fragen
Warum weicht der reale Wind von der Vorhersage ab?
Weil die Vorhersage einen mittleren Wind liefert, berechnet über eine Gitterzelle von mehreren Kilometern und über eine Stunde. Diese Glättung verdeckt die Böen und das lokale Mikroklima (Hecken, Relief, Exposition) Ihres Schlags.
Welche Auflösung haben die Windvorhersagemodelle?
Rund 13 km beim GFS, 9 km beim ECMWF, 5 km bei ARPEGE über Frankreich und 1,3 km bei AROME. Selbst das feinste liegt weit über der Größe eines Schlags.
Garantiert ein mittlerer Wind unter der Grenze, dass man spritzen darf?
Nein: Ein mittlerer Wind von 12 km/h kann mit Böen von 25–30 km/h einhergehen, über der gesetzlichen Grenze von 19 km/h. Prüfen Sie Wind und Böen besser direkt am Schlag.












