Herbizid, Fungizid, Insektizid, Wachstumsregler: Der Wind wirkt nicht gleich
Das Gewicht des Windes hängt vom ausgebrachten Mittel ab. Ein driftendes Herbizid kann eine Nachbarkultur schon bei winziger Dosis ruinieren, während ein Fungizid weit weniger anrichtet. Was Sie wissen müssen, um Ihren Sicherheitsabstand anzupassen.

Die Windgrenze gilt formal für alle Mittel gleich, doch das tatsächliche Risiko hängt stark davon ab, was Sie ausbringen. Dieser Artikel ergänzt unseren Leitfaden zu Wind und Pflanzenschutz, indem er die Wirkung des Windes je nach Mittelart erläutert.
Warum die Wirkungsweise alles verändert
Zwei Faktoren wirken zusammen: die Empfindlichkeit der Nachbarkulturen gegenüber Abdrift und die optimale Tropfengröße. Ein blattaktives Kontaktmittel braucht eine gute Benetzung (eher feine Tropfen), was das Abdriftrisiko erhöht. Umgekehrt verträgt ein systemisches oder bodenwirksames Mittel große Tropfen, die deutlich weniger driften, ohne Wirkungsverlust. Feine Tropfen (unter 105 Mikrometer) driften am stärksten.
Herbizide: höchste Vorsicht
Herbizide, insbesondere die Wuchsstoffherbizide (2,4-D, Dicamba, MCPA), sind die Mittel mit dem höchsten Risiko für Nachbarkulturen. Dicamba ist flüchtiger als 2,4-D, doch beide können sich nach der Anwendung bei steigender Temperatur erneut verflüchtigen und anschließend durch eine Inversion wieder zu Boden sinken. In der Nähe empfindlicher Kulturen ist es schlicht vernünftig, deutlich unter dem Windrichtwert (rund 18 km/h) zu bleiben.
Hochempfindliche Nachbarkulturen
Manche Kulturen reagieren auf winzige Mengen Wuchsstoffherbizide: Bei Reben wurden Schäden schon bei Konzentrationen von nur 1/800 der zugelassenen Aufwandmenge festgestellt. Die Symptome (verformte, eingerollte Blätter, parallele Blattadern) treten innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen auf.
Die wichtigsten empfindlichen Kulturen
In der Praxis konzentriert sich das Schadensrisiko durch Herbizidabdrift auf einige wenige Kulturen:
- Reben: sehr empfindlich gegenüber Wuchsstoffherbiziden (2,4-D, Dicamba), Schäden bei winziger Dosis.
- Obstbau (Obstanlagen): sehr reaktives Laub, empfindlich gegenüber Wuchsstoffherbiziden.
- Gemüsebau, Tomate: gehört zu den empfindlichsten gegenüber Herbizidabdrift.
- Rübe: empfindlich gegenüber Herbizidabdrift aus benachbarten Getreidebeständen im Frühjahr.
- Raps und Leguminosen: je nach Stadium deutliche Empfindlichkeit.
Fungizide, Insektizide und Wachstumsregler
Ein driftendes Fungizid oder Insektizid wirkt sich auf eine Nachbarkultur in der Regel weit weniger aus als ein Herbizid, auch wenn Abdrift stets Mittelverlust und ein zu vermeidendes Umweltrisiko bleibt. Bei diesen Mitteln geht es beim Wind vor allem um die Wirksamkeit: Ein Kontaktinsektizid etwa braucht eine gute Benetzung des Ziels – also feinere Tropfen, die anfälliger für Abdrift sind – weshalb die Wahl des Fensters entscheidend ist. Konkret birgt ein Fungizid bei 17 km/h in der Nähe eines Nachbarschlags ein geringeres Schadensrisiko als ein Herbizid unter denselben Bedingungen, ohne dass Sie deshalb auf die Einhaltung der Grenze und die Beobachtung der Windrichtung verzichten dürfen.
Häufige Fragen
Welche Mittel sind bei Abdrift am gefährlichsten?
Die Wuchsstoffherbizide (2,4-D, Dicamba, MCPA) bergen das höchste Risiko für Nachbarkulturen, denn empfindliche Kulturen reagieren auf winzige Dosen und diese Wirkstoffe können sich nach der Anwendung verflüchtigen.
Welche Kulturen sind am empfindlichsten gegenüber Herbizidabdrift?
Reben, Obstbau, Gemüsebau (Tomate) und Kulturen wie die Rübe. Reben können bereits durch Konzentrationen in der Größenordnung von 1/800 der zugelassenen Aufwandmenge von Wuchsstoffherbiziden geschädigt werden.
Kann man große Tropfen nutzen, um die Abdrift zu begrenzen?
Ja, bei systemischen oder bodenwirksamen Mitteln: Große Tropfen verringern die Abdrift stark, ohne Wirkungsverlust. Bei einem Kontaktmittel ist ein Kompromiss nötig, da die Benetzung von feineren Tropfen abhängt.












